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In SCRUM we trust...

Am letzten Donnerstag (05. Februar 2009) war ich mit zwei Kollegen beim ersten Scrumtisch (Ein Wortspiel aus Scrum und Stammtisch) der Scrum User Group Hamburg (SUG-HH; siehe XING-Groups).

Die SUG-HH wurde im Oktober 2008 von Christian Dähn (Berater bei OPITZ Consulting Hamburg) und anderen Certified Scrum Mastern ins Leben gerufen und dient dem Erfahrungsaustausch über Scrum im beruflichen Alltag und all den kleinen und großen Problemen, die “Scrummer” so in und um Hamburg haben.

Obwohl ich derzeit – anders als meine beide Kollegen – nicht in einem Projekt mitwirke, welches mit mit dem Vorgehensmodell Scrum arbeitet, interessiere ich mich doch sehr für agile Methoden im Projektmanagement und wollte einfach mal hören, was es so für Erfahrungen, Probleme und Erkenntnisse in anderen Projekten mit Scrum gibt; welche Erfolge wurden gefeiert und welche Niederlagen mussten hingenommen werden.

ScrumDer Scrumtisch soll nicht nur dem lockeren Geplauder bei einem Bierchen dienen, sondern es gab auch ein kleines Programm. Moderiert wurde die Veranstaltung von Bjørn Stachmann, Berater bei der Holisticon AG. Teilnehmer waren u.a. Stefan Roock und Henning Wolf (beide akquinet it-agile GmbH), Bernd Oestereich und Michael Schulze-Ruhfus von der oose Innovative Informatik GmbH, sowie “Märchenonkel Holger” (…dazu gleich mehr). Insgesamt haben rund 30 Interessierte den Weg ins P.I.A.-Kesselhaus gefunden.

Pünktlich um 18:15 Uhr startete der Scrumtisch mit einer Vorstellungsrunde. Da die Zahl der eingereichten Themenvorschläge übersichtlich war, mussten die Themen nicht – ganz im Stil von Scrum – von den Teilnehmern priorisiert werden, sondern die zur Verfügung stehende Zeit reichte aus um alle “Items” zu behandeln.

Anschließend las uns Holger Koschek, Senior Consultant bei der Holisticon AG, einen Abschnitt aus seinem Märchenbuch vor, welches er auch auf der diesjährigen OOP unter dem Titel Prinzen und Aschenputtel: Anatomie eines Scrum-Teams vorgetragen hat. Die Idee: in agilen Projekten geht es häufig so zu wie im Märchen. Typische Charaktere aus der Märchenwelt trifft man metaphorisch häufig auch in der realen IT-Projektwelt an: heimliche Prinzen, draufgängerische Ritter, das tapfere Schneiderlein, Aschenputtel, der weise und erfahrene aber auch etwas konservative Großvater, die griesgrämige Hexe und das überall herumspukende Gespenst. In dem Märchen soll ein Team, zusammengesetzt aus genau diesen Charakteren, die beste Drachenfalle aller Zeiten bauen. Das Märchenbuch, welches möglicherweise auch bald verlegt werden könnte (Ich habe am Rande aufgeschnappt, das man in Verhandlungen mit dem dpunkt-Verlag steht), soll aufzeigen, wie man aus solchen unterschiedlichen Individuen ein erfolgreiches Team formen kann. Obwohl wir nur einen kurzen, etwa 20-minütigen Ausschnitt genießen durften (auf der OOP war die Lesung etwa 1 ½ Stunde lang), bot er einen amüsanten Einblick in die für ein agiles Projekt typischen Teambildungsprozesse.

Nach einer etwa 30-minütigen Pause, wo bei leckeren Snacks und Bier (An dieser Stelle vielen Dank an die Spender Holisitcon AG und OPITZ Consulting!) geplaudert wurde, ging es um die diesjährige OOP 2009, die ja unter dem Motto “Soft(ware) Skills: The key to successful projects” stand. Wie sich herausstellte, waren nur ein geringer Teil der Scrumtisch-Teilnehmer bei der OOP gewesen. Offensichtlich hat die Konferenz nicht mehr den Stellenwert wie noch vor einigen Jahren, was möglicherweise auch daran liegen könnte, dass das, was auf der OOP präsentiert wird, nur noch wenig mit Objekt-Orientierter Programmierung zu tun hat. Die Qualitätsspanne der Vorträge soll von sehr schlecht bis extrem gut gereicht haben, etwas, was ich von meinem Besuch im Jahr 2008 bestätigen kann. Der Auftritt des groß angekündigten Tom De Marco (Atlantic Systems Guild) sei vielmehr ein Werbeblock für das Buch “Adrenalin-Junkies und Formular-Zombies” gewesen. Ein vielversprechender Vortrag namens “Mut zum großen Schnitt – Aggressives Refactoring“, der zunächst noch überbucht war, wurde von der Hälfte der Besucher noch vor dem regulären Ende enttäuscht verlassen. Dem gegenüber soll der Vortrag “Wie überzeuge ich mein Management?” von Gunter Dueck im Soft-Skill-Track sehr gut gewesen sein. Unter dem Titel “Dream Teams bilden – magische Momente in der Softwareentwicklung” hielt der Enterprise-Java-Experte und Software-Architekt Adam Bien (Ja, richtig gelesen! Der Adam Bien!) ebenfalls einen Vortrag im Soft-Skill-Track der Konferenz. Wenn Adam Bien über Java-Themen spricht so ist das wohl ein echtes Erlebnis, denn er gehört zu den weltweiten Top-Experten, aber Soft-Skills…? Holger Koschek, der den Vortrag besucht hat, kommentierte selbigen mit den Worten: “Es war wie bei einem schlimmen Verkehrsunfall. Eigentlich so grausam, das man sich das nicht anschauen mag, aber trotzdem starrt man unentwegt hin.”

Anschließend ging es um das Thema “Fachliche Anforderungen vs. Qualität der Architektur”. In einem Scrum-Prozess liegt der Fokus ja auf die im Product Backlog enthaltenen Features des zu entwickelnden Produkts. Die interessante Fragestellung lautet: wie gewährleistet man die Qualität der Software-Architektur, wenn man sich im Sprint befindet? Was tun, wenn man auf die elfte if-Verzweigung stößt und feststellt, das Features auf Grund einer gewissen Software-Entropie nicht mehr so einfach realisiert werden können und einstmals getroffene Aufwandsschätzungen nicht mehr zutreffen? Soll man Regeln aufstellen? Was ist, wenn diese einstmals aufgestellten Regeln in der Hitze des Gefechts in den Hintergrund geraten? Gehören solche Probleme, die ja häufig auch eher schleichend auftauchen, bei ihrer Entdeckung in das Impediment Backlog? Ein Vorschlag lautete, das man in Richtung Product Owner offen und ehrlich mit diesem Thema umgehen und Aufwandsschätzungen für zukünftige Backlog-Elemente eben so anpassen muss, das Refactorings berücksichtigt sind.

So etwa gegen 20:30 Uhr verließ ich nach einer weiteren Bier- und Plauderrunde den ersten Scrumtisch des Jahres 2009. Mein Fazit: alles in allem ein sehr netter und höchst informativer Abend, der – so hörte ich – auf jeden Fall wiederholt wird!

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